Wann Verzug überhaupt eintritt

Eine Forderung ist nicht automatisch im Verzug, nur weil das Fälligkeitsdatum verstrichen ist. Nach § 286 BGB kommt der Schuldner grundsätzlich erst durch eine Mahnung nach Fälligkeit in Verzug. Eine Mahnung ist entbehrlich, wenn für die Leistung ein kalendermäßig bestimmtes Datum vereinbart wurde – etwa „zahlbar bis zum 15. des Monats“ – oder wenn der Schuldner die Leistung ernsthaft verweigert.

Bei einer Entgeltforderung tritt Verzug spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung ein. Gegenüber Verbrauchern gilt das nur, wenn die Rechnung ausdrücklich auf diese Folge hinweist. Fehlt dieser Hinweis, löst die 30-Tage-Regel allein keinen Verzug aus; eine Mahnung oder ein anderer gesetzlicher Verzugsgrund, etwa ein vereinbarter Zahlungstermin, kann trotzdem maßgeblich sein.

Höhe der Verzugszinsen 2026

Konstellation Zuschlag zum Basiszinssatz Satz seit 1. Juli 2026
Geldschulden nach der Grundregel, insbesondere mit Verbraucherbeteiligung+5 Prozentpunkte6,52 % pro Jahr
Entgeltforderungen aus Rechtsgeschäften ohne Verbraucherbeteiligung+9 Prozentpunkte10,52 % pro Jahr

Eine selbstständige Handwerkerin verlangt Geld von einer Privatkundin: Es bleibt grundsätzlich bei fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz. Dass die Gläubigerin Unternehmerin ist, genügt für neun Prozentpunkte nicht. Dafür muss es um eine Entgeltforderung ohne Verbraucherbeteiligung gehen, etwa die Rechnung eines Lieferanten an ein Unternehmen für dessen Betrieb.

Grundlage ist in beiden Fällen der Basiszinssatz nach § 247 BGB, den die Deutsche Bundesbank zum 1. Januar und 1. Juli anpasst. Reicht ein Verzug über einen dieser Stichtage hinweg, ändert sich der Zinssatz mitten im Zeitraum. Eine exakte, periodengenaue Berechnung liefert der Verzugszinsen-Rechner.

Verzugszinsen sind nicht dasselbe wie Mahnkosten

Verzugszinsen entschädigen für die verspätete Kapitalnutzung. Daneben kann der Gläubiger die erforderlichen Kosten der Rechtsverfolgung verlangen, soweit sie durch den Verzug verursacht und rechtlich erstattungsfähig sind. Die erste Mahnung, die den Verzug erst auslöst, ist regelmäßig noch kein solcher Schaden.

Bei einer Entgeltforderung gegen einen Schuldner, der kein Verbraucher ist, besteht grundsätzlich auch der Anspruch auf die 40-Euro-Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB. Dafür muss der Gläubiger nicht selbst Unternehmer sein. Die Pauschale wird auf geschuldeten Schadensersatz für Rechtsverfolgungskosten angerechnet; dieselben Kosten werden also nicht zusätzlich ein zweites Mal ersetzt. Sonderregeln, insbesondere im Arbeitsrecht, können den Anspruch ausschließen (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25. September 2018, 8 AZR 26/18).

Typische Alltagsbeispiele

Verzugszinsen betreffen nicht nur Unternehmen. Zahlt ein Vermieter ein Nebenkostenguthaben nach Mahnung verspätet aus, kann der Mieter für den Verzugszeitraum Zinsen verlangen. Details zu Fristen und Ansprüchen bei der Abrechnung selbst erklärt der Ratgeber Nebenkostenabrechnung prüfen. Auch bei einer verspätet bezahlten Handwerkerrechnung oder einer ausbleibenden Rückzahlung nach einer Vertragskündigung gilt dieselbe Rechtsgrundlage; passende Kündigungsschritte zeigt der Ratgeber Vertrag und Abo kündigen 2026.

So setzen Sie den Anspruch durch

  • Fälligkeit und – soweit nötig – eine wirksame Mahnung mit Datum dokumentieren.
  • Verzugsbeginn und -ende sowie den betroffenen Betrag genau festhalten.
  • Zinsen mit dem Verzugszinsen-Rechner periodengenau berechnen.
  • Zahlungsaufforderung mit Fristsetzung und bezifferten Verzugszinsen versenden.
  • Bei Zahlungsverweigerung das gerichtliche Mahnverfahren oder eine Klage prüfen.

Häufige Fragen

Muss ich Verzugszinsen extra vereinbaren?

Nein. Sobald die gesetzlichen Voraussetzungen des Verzugs vorliegen, entsteht der Zinsanspruch nach § 288 BGB ohne eigene Vereinbarung. Ob eine abweichende Zinsvereinbarung wirksam ist, muss gesondert geprüft werden. Das Gesetz verbietet nicht pauschal einen niedrigeren Zinssatz für einen Verbraucher als Schuldner.

Brauche ich eine Mahnung, um Verzugszinsen zu verlangen?

In der Regel ja, außer der Verzug tritt automatisch ein – etwa wenn ein kalendermäßig bestimmtes Zahlungsdatum überschritten wird oder ein Verbraucher auf einer Rechnung ausdrücklich auf die 30-Tage-Folge hingewiesen wurde.

Kann ich Verzugszinsen und Mahngebühren gleichzeitig verlangen?

Grundsätzlich ja, wenn die weiteren Kosten als Verzugsschaden erstattungsfähig sind. Eine Mahnung, die den Verzug erst auslöst, ist regelmäßig noch kein Verzugsschaden. Kosten dürfen nicht doppelt berechnet werden; die 40-Euro-Pauschale wird auf geschuldeten Schadensersatz für Rechtsverfolgungskosten angerechnet.

Wie lange kann ich Verzugszinsen noch nachfordern?

Verzugszinsen verjähren wie die zugrunde liegende Hauptforderung grundsätzlich innerhalb der regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren zum Jahresende, in dem der Anspruch entstanden ist.

Rechtsgrundlagen: § 286 BGB: Verzug des Schuldners, § 288 BGB: Verzugszinsen und § 247 BGB: Basiszinssatz. Die Zinssätze stammen aus der Basiszinssatz-Historie der Deutschen Bundesbank. Ausgangsstand 12. August 2026; Voraussetzungen nach §§ 286 und 288 BGB am 5. September 2026 nachgeprüft und berichtigt. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.