Was Verzugszinsen sind und wann sie anfallen
Verzugszinsen entschädigen den Gläubiger dafür, dass eine fällige Forderung nicht rechtzeitig beglichen wurde. Dafür genügt eine offene Rechnung allein nicht: Nach § 286 BGB ist grundsätzlich eine Mahnung nach Fälligkeit nötig, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift. Die 30-Tage-Regel betrifft Entgeltforderungen und setzt sowohl Fälligkeit als auch den Zugang der Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung voraus. Gegenüber Verbrauchern ist zusätzlich der vorgeschriebene Hinweis auf diese Folge nötig. Der Schuldner kommt nicht in Verzug, solange die Nichtleistung auf einem Umstand beruht, den er nicht zu vertreten hat. Den daraus ermittelten Beginn tragen Sie selbst ein.
Warum sich der Basiszinssatz zweimal im Jahr ändern kann
Der Basiszinssatz nach § 247 BGB wird von der Deutschen Bundesbank jeweils zum 1. Januar und 1. Juli neu bekannt gegeben und orientiert sich an der Geldmarktentwicklung. Läuft ein Verzug über einen Stichtag mit neuem Satz hinweg, wird der Zeitraum entsprechend getrennt. Der Rechner verwendet dafür eine redaktionell gepflegte Tabelle; zukünftige, noch nicht veröffentlichte Sätze kann er nicht kennen.
Ausnahmen und Grenzfälle
Das Ergebnis bildet die im Formular gewählte gesetzliche Grundkonstellation ab. Es prüft nicht, ob abweichende Vertragszinsen wirksam sind oder besondere Regeln für Ihren Anspruch gelten. Verwenden Sie die Aufstellung deshalb nicht unverändert für eine Forderung mit anderem Zinssatz, wechselndem offenen Betrag oder ungeklärtem Verzugsbeginn.
Was Sie jetzt prüfen sollten
- Genauen Verzugsbeginn anhand von Fälligkeit, Mahnung oder Rechnungszugang feststellen.
- Bei länger laufenden Forderungen prüfen, ob der Zeitraum einen 1. Januar oder 1. Juli einschließt.
- Für neun Prozentpunkte prüfen: Entgeltforderung und kein Verbraucher auf beiden Seiten.
- Bei Entgeltforderungen gegen einen Schuldner, der kein Verbraucher ist, eine mögliche 40-€-Pauschale und Sonderregeln separat prüfen.
- Bei größeren oder strittigen Beträgen anwaltlichen Rat einholen, bevor Zahlungen angemahnt werden.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der aktuelle Basiszinssatz?
Seit dem 1. Juli 2026 beträgt der Basiszinssatz nach § 247 BGB 1,52 Prozent. Die Deutsche Bundesbank passt ihn jeweils zum 1. Januar und 1. Juli an.
Wie hoch sind Verzugszinsen für Verbraucher?
Bei Rechtsgeschäften mit Verbrauchern beträgt der Verzugszinssatz Basiszinssatz plus 5 Prozentpunkte – aktuell also 6,52 Prozent pro Jahr.
Wie hoch sind Verzugszinsen zwischen Unternehmern?
Neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz gelten nur für Entgeltforderungen aus Rechtsgeschäften, an denen auf keiner Seite ein Verbraucher beteiligt ist (§ 288 Abs. 2 BGB). Das ergibt aktuell 10,52 Prozent pro Jahr. Bei sonstigen Geldschulden gilt grundsätzlich der Zuschlag von fünf Prozentpunkten, auch wenn der Gläubiger Unternehmer ist.
Gibt es zusätzlich zu den Zinsen eine Pauschale?
§ 288 Abs. 5 BGB sieht bei Entgeltforderungen eine zusätzliche Pauschale von 40 Euro vor, wenn der Schuldner kein Verbraucher ist. Der Gläubiger muss dafür nicht zwingend Unternehmer sein. Sonderregeln, etwa im Arbeitsrecht, sind gesondert zu prüfen; die Pauschale ist im Ergebnis nicht enthalten.
Quellen und Datenstand: § 288 BGB, § 247 BGB und Deutsche Bundesbank: Basiszinssätze seit 2002. Berechnungs- und Quellenprüfung vom 5. September 2026. Am 22. Oktober 2026 wurden die lokale Zinsaufstellung, ihre Bedienhinweise und die Abgrenzung der 30-Tage-Regel anhand von § 286 BGB ergänzt. Die hinterlegten Basiszinssätze wurden dabei nicht geändert. Der Rechner ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.